Warum derart schnell? "Scary"-Erfinder Keenan Ivory Wayans muss die Zeichen der Zeit erkannt haben. Das Genre der brachialen Gross-Out-Comedy - einst ausgelöst durch "Verrückt nach Mary" - befindet sich nach dem soundsovielten Tabubruch auf steiler Talfahrt, und auch der Horror-Boom scheint inzwischen nach so schwachen Reanimierungsversuchen wie "Schrei wenn du kannst", "Düstere Legenden 2" oder "Deep in the woods" in den letzten Zügen zu liegen. Daher schnell das Team von Teil eins zusammengetrommelt, ein paar abgehalfterte Hollywoodstars (James Woods, Tim Curry) oben draufgepackt, und fix die Fortsetzung heruntergekurbelt.
Statt der ewig gleichen Teenie-Slasher bedienen sich die Wayans diesmal des Handlungskonstrukts aus "The Haunting" beziehungsweise Jan de Bonts missglückten Remake "Das Geisterschloss". Als verrückten Professor mit Interesse an ebenso übernatürlichen wie weiblich gerundeten Phänomenen wird der inzwischen reichlich aufgeschwemmte Tim Curry in dem von Poltergeistern, verkrüppelten Hausdienern, notgeilen Skeletten, sprechenden Papageien und Menschen-rauchenden Haschischpflanzen bevölkerten Spukschloss installiert, was vielleicht ein ganz bisschen an seinen großen Spukschloss-Auftritt als Frank'n'Furter in der legendären "Rocky Horror Picture Show" erinnern soll. Die vorgeschaltete "Exorzist"-Veralberung hat weder inszenatorisch noch inhaltlich mit dem Rest etwas zu tun und wirkt - gegenüber dem faden Rest - noch am unterhaltsamsten. Das Geistergekasper im Spukschloss bietet jedoch nur noch geballte Eintönigkeit. Der breit angelegte Blockbuster-Rundumschlag von Steven Spielbergs "Poltergeist" bis zu "Hannibal", "Charly's Angels", "Final Destination" oder "M.I. 2", ist so unmotiviert und vorhersehbar zusammenmontiert, dass sich schlicht und einfach kein Lacher einstellen will. Die Parodien kommen im Stakkato-Takt, viel zu schnell, abgehackt und zusammenhanglos, um als Gags zu zünden, stattdessen so monoton aneinandergereiht, dass sie ebenso wie die komplett intelligenzverweigendernde Handlung als reines Sedativum wirken. Und die Brachial-Geschmacklosigkeiten, mit denen das Wayans-Kollektiv im ersten Teil noch locker allen Farellys dieser Welt Paroli bieten konnte, fallen schlicht und einfach zu harmlos aus. Die Kotzorgie in der "Exorzist"-Persiflage? Die gab es zig mal schlimmer in "Guest House Paradiso". Der furzende Priester? Das konnte Eddie Murphy im "Verrückten Professor" schon lauter. Und die von einer Spermafontäne geplättete Cindy (Anna Faris) ist dank Teil eins so vorhersehbar wie ein Auftritt von Karl Moik beim Musikantenstadl. Zoten für den schnellen Konsum, mehr hat "Scary Movie 2" nicht zu bieten. Wenn die denn wenigstens so weit jenseits der Geschmacksgrenze lägen, um all jene anderen grenzedebilen Vorgänger das Fürchten zu lehren, könnte man den Film wenigstens als Belastungsprobe für den Magen verwenden. Doch Keenan Ivory Wayans Gags sind einfach bleiern einschläfernd. |
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Diese Kritik ist die Meinung von Johannes Pietsch.