Der alte Jack Arnold hätte seine wahre Freude an diesem Film. Drehte der doch 1955 mit "Tarantula" den Klassiker in Sachen akromegalischer Spinnen-Monster schlechthin. Arnold war es auch, der mit seinen Werken in den 50er und 60er Jahren so etwas wie den Standard des klassischen Monster-Trashs definierte. Seine Filme, egal ob "It Came from Outer Space" oder "The monolith monsters", liefen stets nach dem gleichen Muster ab: Ein oder mehrere Ungeheuer (entweder aus dem Weltall oder einem außer Kontrolle geratenen wissenschaftlichen Experiment) bedrohen von Gott und der Welt verlassenes Wüstenkaff, wo es einem einsamen, aber gut aussenden Helden zumeist in letzter Sekunde mit irgend einem haarsträubenden Taschenspielertrick gelingt, das endgültige Verhängnis abzuwenden.
Das Drehbuch hält sich glücklicherweise nicht lange mit einer umständlichen Exposition auf: Eine kleine Unachtsamkeit mit einem der Spinnengehege, schon ist eines der Schoßtierchen entfleucht und macht es sich zunächst auf dem Rücken und sodann in der Nähe der Halswirbelsäule seines Herrchens bequem, was in netter Weise an den ersten "Indianer Jones" erinnert und binnen kürzester Zeit zum physischen Dahinscheiden desselben sowie zur Liberté weiterer achtbeiniger Krabbeltierchen führt. Daß die binnen weniger Tage auf die Größe eines handelsüblichen Campinganhängers anwachsen - spätestens hier dürfte dann auch dem letzten Zuschauer klar sein, dass dieser Film wirklich gar nichts ernst nimmt, am wenigsten sich selbst - ist einem Fass voller Giftmüll zu verdanken, welches zu Beginn ebenso schwungvoll wie unheilverkündend seinen Weg vom Anhänger eines Lastwagens in ein Gewässer in der Nähe der Spinnenunterkunft nimmt.
Nur am Anfang, als das Spinnenvolk noch seine natürliche, gottgegebene Größe besitzt, ist ab und an so etwas wie Nervenkitzel zu verspüren. Spätestens beim ersten Aufkreuzen der ebenso vielbeinigen wie körperlich aus dem Leim gegangenen Arachniden in der Wüste von Arizona, wo als erstes eine Tankstelle aufgemischt, ein Tanklastzug geentert und zum Halali auf ein paar vorwitziger Crossfahrer geblasen wird, ist jeglicher Grusel verflogen. Stattdessen gibt es Spinnen-Rock'n'Roll, dass die Cheliceren krachen. Und wenn sich eine dieser hüpfenden Ungetüme über einen ausgestopften Hirschkopf an der Wand einer Wüstenkneipe hermacht und dazu wie Otto Waalkes schnattert, ist endgültig schenkelklopfende Arachniden-Anarchie angesagt. Zitiert und persifliert wird, was das Genre hergibt. Am deutlichsten referenzieren Emmerich/Devlin/Elkayem neben den Jack-Arnold-Werken (natürlich) den Ameisen-Klassiker "Them!" (der auch in einer kurzen Szene auf einem Fernsehbildschirm zu sehen ist) sowie John Bud Carlos' grandios ekligen (und überhaupt nicht ironischen) Spinnen-Heuler "Kingdom of the spiders", dessen Handlung mehr oder weniger mit der von "Eight legged freaks" identisch ist. Daneben können sich Emmerich & Co. so manchen anderen Seitenhieb nicht verkneifen: Da plappert ein Papagei gleich zu Beginn einen Spruch aus "Scream 3" daher, das Giftmüllfass erinnert an "Return of the living dead 2", und im Showdown, bei dem sich die Überlebenden in einem Einkaufszentrum gegen das Pedipalpen-bewehrte und Ocellen-glotzende Heer verschanzen, müssen gleich "Dawn of the dead" sowie "Friday the 13th" dran glauben. Und wenn sich einer der Crossfahrer beim Sprung mit seiner Maschine einen Kung-Fu-Kampf mit einer etwa Milchkuh-großen Salticus-scenicus-Abart liefert, dann ist das die schönste "M.I.2"-Parodie, die seit langer Zeit auf der Kinoleinwand zu sehen war. Mit diebischem Vergnügen erlaubt der Film sich auch so manchen nach Hollywood-Lesart politisch unkorrekten Scherz: Während beispielsweise "Arachnophobia" 1991 noch Heimtiere, die erklärten Lieblinge der Amerikaner, verschonte, dürfen hier auch Papis Mieze und Mamas Hund genüßlich Bekanntschaft mit den Beißwerkzeugen der achtbeinigen Brut machen. Auch darstellerisch bewegt sich "Eight legged freaks" auf fröhlich-unbeschwertem B-Picture-Niveau. Hauptdarsteller David Arquette ist mit dem Terrain und seinen Spielarten spätestens seit den "Scream"-Filmen vertraut. Kari Wuhrer, die bereits in "Anaconda" im Angesicht von Monstern gekonnt Kurven präsentierte, kommt uns hier als Sheriff mit dem meisten Sex-Appeal westlich des Missouri vor Augen und den Monstern schwerbewaffnet in die Quere. Der 14jährige Scott Terra, der bislang fast ausschließlich in TV-Produktionen zu sehen war, liefert als neunmalkluge heranwachsende Spinnen-Koryphäe mit Harry-Potter-Touch eine recht ansprechende Vorstellung. Die 18jährige Scarlett Johansson überzeugte bereits als traumatisiertes Mädchen in Robert Redfords "The horse whisperer". "Eight legged freaks" ist ein tricktechnisch recht reizvolles, sehr ironisches und stellenweise absurd klamaukiges Monsterballett mit überzeugenden State-of-the-art-Effekten, inhaltlich eine wunderschön nostalgische Zeitreise zurück in jene Kino-Ära, in der ein Leo G. Carroll noch an Riesentaranteln experimentierte, Arthur Franz sich als Monster auf dem Campus herumtrieb, Grant Williams das Monolith-Monster bekämpfte und als Mr. C unaufhaltsam schrumpfte, Julie Adams vom Creature of the black lagoon verschleppt wurde und Metaluna 4 nicht mehr antwortete. |
Besucher Nr. seit 22.06.2002
Diese Kritik ist die Meinung von Johannes Pietsch.