Tomas Katz braucht seine neun Leben in kurzer Zeit auf. Einem Erdloch entstiegen, das von einem Mülltonnendeckel bedeckt wird, entert er zunächst ein Taxi und dann die Seele des Taxifahrers, um mit ihm die Rollen zu tauschen. Kurze Zeit später wird er zum mächtigsten Mann der Welt – dem Chef der Londoner U-Bahn-Betriebe, die er für neue Zwecke umbaut: eine direkte Shuttle-Verbinung ins Jenseits. Das Armageddon erfordert jedoch weitere Vorbereitungen, so wird er Agrarminister und erklärt als solcher dem Gwupigrubynudnyland den Krieg. Als debilder Rentner lässt er sich das gesamte britische Staatsvermögen in bar auszahlen, wodurch das Pfund Sterling jäh an den Geldmärkten abstürzt und einen negativen Wert annimmt.
Einen Gegenspieler gibt es natürlich auch: Der blinde Londoner Polizeichef, der bevorzugt mit spiritistischen Methoden ermittelt, und auf diese Weise tatsächlich auf den Grund der Dinge stößt. "Die 9 Leben des Thomas Katz" ist ein verquerer und sperriger Experimentalfilm, der mit surrealistischen Ideen arbeitet. London wird auf expressionistische Weise in harten Schwarzweißbildern festgehalten. Die Situationen ufern immer wieder in skurrile Komik aus, wenn die Polizei z.B. ein beunruhigend erhöhtes Sprachaufkommen in Potters Bar meldet oder das Gerücht einer Fensterverschwörung die Runde macht (die Fenster haben es leid, ständig von uns Menschen angeglotzt zu werden).
Bei aller Ambition hinterlässt "Tomas Katz" einen faden Nachgeschmack. Die skurrilen schwarzhumorigen Einfälle reichen auf der einen Seite nicht, um den Film episodenhaft durch ein Gagfeuerwerk im Monty-Python-Stil zu retten. Die expressionistisch bedrohlichen Untergangsszenarien und das einsetzende Chaos sind auf der anderen Seite nicht wirklich bedrohlich oder verstörend, schon deshalb, weil sie oft genug ins Lächerliche gezogen werden. Und da der Film gänzlich mit so ziemlich allen bekannten Erzählkonventionen des Kinos bricht, ist er allenfalls ein interessant anzuschauendes Experiment für Cineasten. Denen dürfte dann aber auch wirklich sehr gefallen, was sie zu sehen bekommen.
Großbritannien/Deutschland, 87 min |
Diese Kritik ist die Meinung von Enno Park.